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Denkanstoß | Von Rissen, Zerissenheit und Liebe

Aktualisiert: Feb 18

Corona, der unsichtbare Feind, hat unsere Gesellschaft verunsichert. Weihnachten sollte man trotzdem feiern – im kleinen Kreis .


VON KLAUS HURTZ


Es geht ein Riss durch unsere Welt. Da sind auf der einen Seite die Unbeirrbaren, die meinen, die Welt müsse und könne sich weiterdrehen, als gäbe es keine Pandemie. Da lassen auf der anderen Seite die Einsichtigen eben diese Welt unter großen Opfern stillstehen, damit der Siegeszug des Virus gebremst wird. Es geht ein Riss durch unser Europa. Da sucht und versucht jede Nation ihren Weg zu finden, um mit Lockdown oder mit Lockerung, um mit Schließung oder mit Öffnung, um mit Zwang oder mit Freiheit der Krise beizukommen. Es geht ein Riss durch unsere Gesellschaft. Da ist den einen viel zu früh, was anderen viel zu spät erscheint. Da sehen einige die Menschenrechte schwinden, deren Schwund für andere wiederum die unerlässliche Voraussetzung ist, um Menschenleben zu retten. Es geht ein Riss durch unsere Kirchen. Da wollen die einen sich in Kirchen versammeln, um gemeinsam Gott um Hilfe für die Nächsten zu bitten, da empfinden andere genau dies als Nachlässigkeit und Unbarmherzigkeit den Nächsten gegenüber. Es geht ein Riss durch unsere Herzen. Da wollen wir aus Liebe die Weihnachtstage miteinander verbringen, da fordert genau diese Liebe die Begegnungen zu meiden.


Kann man in einer solch zerrissenen Welt wirklich Weihnachten feiern? Doch hier gilt die Gegenfrage zu stellen: Ist Jesus Christus je in eine andere gekommen? Deswegen ist Gott Mensch geworden, um die heillose Welt zu heilen; um unsere Risse zu kitten, um in der Einsamkeit des Seins uns die Geborgenheit in Gott zu schenken. Deswegen schauen wir auf die Armseligkeit eines Stalles, damit wir erkennen, dass Schutz und Sicherheit nicht in Reichtum und Macht zu finden sind, sondern in der Liebe, die wir empfangen und schenken. Deswegen liegt Gott als wehrloses Kind im Stroh der Welt, um augenfällig zu machen, wann immer wir hilflos und ausgeliefert sind, gerade dann ist er bei uns.

Seit mehr als einem Jahr kämpft die Menschheit gegen einen unsichtbaren Feind. Seine Strategie ist perfide, denn er kann jeden Einzelnen ohne dessen Willen und Wissen zu einem Mitstreiter rekrutieren. Seine Waffen sind diabolisch, denn sie sind aus dem genommen, was wir zum Leben brauchen, Berührung und Atem. Sein Zerstörungspotential ist schier übermächtig, denn letztlich will er uns aus dem Leben reißen. Aber genau deswegen müssen wir Weihnachten feiern, heuer möglichst im kleinsten Kreis! Denn Gott eilt uns zu Hilfe; was wir nicht vermögen, vermag Gott.


Er kann uns selbst in der äußersten Bedrängnis Hoffnung und Zuversicht und damit Mut und Zukunft schenken, weil das Kind in der Krippe uns zuruft: Der Riss zwischen Leben und Tod hat ein Ende, denn ihr habt Gemeinschaft mit mir über das Leben hinaus! Und wo wir diese Beziehung zum Christuskind leben, da haben wir auch Gemeinschaft miteinander und weder Tod noch ein teuflischer Virus kann es verhindern.





Photo by Cristina Gottardi on Unsplash

Katholische Pfarrei St. Marien / MG-Rheydt

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