Denkanstoß: Nicht an Tod und Leid gewöhnen
- Pfarrei St. Marien
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Denkanstoß von Pfr. Klaus Hurtz am 10. April 2026 in der Rheinischen Post
Natürlich ist es Geschmackssache, aber heuer erscheint mir unsere Osterkerze besonders gelungen! Dabei ist sie im Grunde sehr traditionell gestaltet, rote Wundmale, rote Zahlen und Buchstaben, das Kreuz in Gold gehalten. Die Besonderheit liegt darin, dass eben dieses Kreuz umwunden ist von einem tiefgrünen Olivenzweig (an dem sogar wächserne Oliven hängen). Damit zeigt uns die Kerze das älteste Friedenssymbol der Welt, denn der Olivenzweig verweist uns auf die Arche-Noah-Geschichte im Alten Testament. Nach der großen Sintflut lässt der Archenbauer eine Taube fliegen, und diese kommt mit einem Olivenzweig im Schnabel zurück. Daran erkennt er, dass das Wasser verlaufen ist und dass die Erde langsam wieder trocken wird. So wird der Zweig zum Zeichen für den Neubeginn in Frieden!
Auch außerbiblisch ist der Olivenbaum als Friedenszeichen bekannt. Muss doch in der griechischen Mythologie die Göttin der Weisheit gegen den Meeresgott Poseidon antreten, damit ein Name für die Stadt rund um die Akropolis gefunden werden kann. Namensgeber soll der werden, der das nützlichere Geschenk den Einwohnern macht. Poseidon versagt, weil er nur eine Quelle mit Seewasser sprudeln lässt, Athene erringt den Siegeskranz, denn sie lässt den ersten Ölbaum wachsen, der den Menschen von nun an Schatten und Nahrung spendet. An die sich daran anschließende Friedenszeit erinnert seitdem der Olivenzweig. Diese Symbolik hat sich bis heute erhalten, auf der Fahne der Uno beschützt links und rechts ein Olivenzweig die Erdkugel.
„Wir sind gerade dabei, uns an die Gewalt zu gewöhnen“, mahnt eindringlich Papst Leo XIV. in seiner ersten Osterbotschaft. Dieser Weckruf kann und darf uns nicht unberührt lassen, denn uns werden doch zurzeit jeden Tag die fürchterlichsten unmenschlichen Folgen von Krieg und Zerstörung vor Augen geführt. Sollten wir uns an diese Leiden und diese Toten gewöhnen, sollten wir gegenüber diesem Elend und dieser Not gleichgültig werden, dann haben wir unsere Menschlichkeit bereits verloren! „Der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ Dieses Wort von Willy Brandt bleibt wahr und muss uns aufrütteln. Natürlich vermag keiner von uns die Mächtigen und Machtbesessenen zu verändern, aber jeder von uns kann mit seinen Möglichkeiten für den Frieden eintreten.
Klaus Hurtz, Pfarrer von St. Marien und vom Trostraum St, Josef, Grabeskirche





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