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Denkanstoß: Großartige Menschheit

vor 4 Stunden
2 Min. Lesezeit

Denkanstoß von Pfr. Klaus Hurtz am 25. September 2026 in der Rheinischen Post


Können wir dieser Überschrift wirklich vorbehaltlos zustimmen? Wir leben in Zeiten, in denen uns deutlich und unerbittlich die Konsequenzen unserer Entscheidungen und unseres Handelns vor Augen geführt werden. Wo die Mächtigen der Welt sich an alten Großmachtphantasien berauschen, da werden Kriege vor unseren Haustüren wieder zu einem politischen Mittel. Wo wir rücksichtslosen Raubbau an der Natur betreiben, da erleben wir trockene Hitzesommer, in denen selbst unser Rhein zum Rinnsal zu werden droht. Wo wir die Grenzen des Machbaren missachten, da leuchten am Horizont Gefahren auf, die wir im Reich der Fiktion wähnten, aber die durch KI schon ganz nahe gerückt sind. Wo unser Energiehunger schier ins Unermessliche wächst, da ist Energie kaum noch zu bezahlen. Wo wir als Wähler unser Wohl und Wehe eher den politischen Rändern als der demokratischen Mitte anvertrauen, da wird unsere Gesellschaft gespalten und unversöhnlich. „Großartige Menschheit“?


Immerhin ist es Papst Leo XIV., der dies uns zuruft! Am 25. Mai dieses Jahres hat er seine erste Enzyklika veröffentlicht und ihr genau diesenTitel gegeben. Haben wir diesen Weckruf zur Kenntnis genommen? Dass wir eine großartige Menschheit sind, steht für den Papst außer Frage, allerdings müssen wir die Ressourcen des Guten, die allein den Menschen menschlich machen, auch aktivieren und leben. Die Menschheit ist großartig, wenn wir uns in den dramatischen Herausforderungen und komplexen Fragen unserer Zeit für das Gute entscheiden. Aber ist dies realisierbar? Und wie soll das zu bewerkstelligen sein? Sicherlich nicht, indem man darauf wartet, dass die anderen damit beginnen! Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und nicht über unsere Werte reden, sondern sie durch unser Verhalten und Tun Wirklichkeit werden lassen. Der Mensch ist ein bedürftiges Wesen, und wenn wir auf unser Leben schauen und uns ehrlich fragen, was es wertvoll, lebenswert, liebenswert, schön macht, dann wissen wir um die Antwort. So komplex und kompliziert die Welt geworden sein mag, letztlich ist es ganz einfach: nur das Gute tut uns gut!


In neun Tagen feiern wir den 800. Todestag eines Menschen, der dies nicht nur postuliert, sondern in radikaler Weise gelebt hat: Franziskus von Assisi! Er tauschte Egoismus und Hass gegen Liebe und Verstehen. Er verzichtete auf Bequemlichkeit, Luxus und Reichtum und solidarisierte sich mit den Armen und Ausgestoßenen. Er liebte und pries die Natur und begegnete selbst den Tieren immer auf Augenhöhe. Er jammerte und lamentierte nicht, er suchte keinen Sündenbock, er packte an. Sein Leben beweist, wie wahr und treffend das Wort von Hannah Arendt ist: „Tief aber und radikal ist immer nur das Gute.“ Sein Handeln und Tun offenbaren, was für ein unerschöpfliches Potential in uns steckt. Er zeigt uns, was wir sein können, wenn wir zumindest versuchen, es ihm gleichzutun: eine großartige Menschheit!

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