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Denk-mal!

Aus dem Evangelium nach Matthäus Mt 5,13-16


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.

So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.


Es gibt Gegenstände, die sprechen können. Dazu gehören etwa jene Sachen, die ins Schaufenster gelegt werden, um uns zu sagen: Komm in den Laden und kaufe mich!

Solche Gegenstände springen ins Auge und appellieren an unseren Wunsch, etwas in Besitz zu nehmen. In nicht wenigen Fällen entdecken wir im Nachhinein: Viele dieser Gegenstände sind gar nicht nötig, ja sie sind eher Ballast auf dem Lebensweg als Hilfe in unserem Alltag. Diese Gegenstände versprechen uns Glück, kosten aber letztlich unsere Freiheit.


Und es gibt Gegenstände, die nicht zu unseren Augen, sondern zu unseren Herzen sprechen. Sie erzählen von kostbaren Stunden, wertvollen Begegnungen, verlässlichen Freundschaften oder von Orten, an denen wir Heimat und Geborgenheit erlebt haben und immer wieder erleben. Ein sprechender Gegenstand für einen wertvollen Ort und eine kostbare Erinnerung. Ich bin überzeugt, dass jeder von uns solche Gegenstände besitzt. Wenn wir sie in die Hand nehmen, dann sprechen sie uns unvermittelt an und berühren unser Herz: der Stein aus dem Bach, den wir mit einem lieben Menschen bei einer Wanderung überquert haben; die Postkarte von einem vertrauten Freund, aus welchem Ort der Welt auch immer geschickt; oder das Foto von einem denkwürdigen Fest mit einem Tiefgang, den wir nie erwartet hätten.


Diese Gegenstände sprechen uns an und sagen uns: „Denk-doch-mal! Denk mal dran, was damals gewesen ist! Denk an jenes tiefe Gespräch! Denk mal an jenen leuchtenden Blick! Denk an das wunderbare Gefühl der Geborgenheit! Denk mal, was wir damals an Versöhnung erleben durften! Denk mal, wie wertvoll Dein Leben, unser Miteinander, diese Zeit ist! Das sind unsere eigenen privaten kleinen ‚Denkmäler!


Sie sind eben mehr als ein Stück Metall, mehr als ein zusammengenähter Stoff oder ein Stein an einer Schnur. Sie stehen für eine Idee, eine Freundschaft, eine Erfahrung, die uns, die mich reicher gemacht haben. In gewisser Weise ähneln sie jenem Licht auf dem Berg, von dem Jesus in diesem Evangelium spricht. Denn diese kleinen Denkmäler leuchten unser Leben aus – und die These sei gewagt: In jedem dieser privaten kleinen Denkmäler dürfen wir etwas von unserem unsichtbaren Gott erahnen, der uns seine Liebe schenkt, indem er uns Menschen schenkt, Geborgenheit fühlen und in kostbaren Erinnerungen etwas von seiner Gegenwart erahnen lässt.


Photo by Sami Ullah on Unsplash

Text: Predigtauszug von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Katholische Pfarrei St. Marien / MG-Rheydt

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