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DENKANSTOß - Mut zu mehr Sommerfrische

Denanstoß vom 23.06.2023


Wer im 19. Jahrhundert etwas auf sich hielt, der machte keinen Urlaub und reiste auch nicht in die Ferien, sondern er fuhr auf das Land in die „Sommerfrische“. Ein verlorengegangenes Wort, vernachlässigt man seine veränderte Bedeutung in der Werbung für einen künstlichen Weichspüler-Duft. Doch noch im Grimmschen Wörterbuch kann man die Definition finden: „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“. Man floh in der heißen Jahreszeit vor den bedenklichen hygienischen Bedingungen einer Stadt in die Natur und gleichzeitig vor den Alltagssorgen und Nöten, um in Gottes Schöpfung Ruhe und Erholung zu finden.


Mit der Sommerfrische und der Eisenbahn, die die Sommergäste in die ländlichen Gefilde brachte, begann der Tourismus, und nur auf den ersten Blick scheint sich seitdem wenig verändert zu haben. Denn sieht man genauer hin, muss man feststellen, dass heute aus Hygienegründen niemand mehr Stadtflucht begeht, eher aufgrund der Hitze. In zugebauten Straßen und Siedlungen heizen sich Mauern und Pflaster auf und lassen damit manche Tage fast unerträglich werden. Auch ist es nicht unbedingt die Ruhe, die wir heute am Urlaubsort suchen. Wir wollen aktiv sein und Events genießen, damit wir die Alltagssorgen vergessen; wir wollen Unterhaltung und vor allem Spaß, um die Nöte zu verdrängen. Aber meint dies Erholung?


In dem Wort „erholen“ steckt für jeden ersichtlich das Verb „holen“, das wiederum ursprünglich mit „herbeirufen“ zusammenhängt. Erholung ist viel mehr als das Verdrängen und Vergessen von Sorgen und Nöten: Wer sich erholt, erhält neue Kraft, Mut, Hoffnung und damit neue Lebensfreude. Doch von wem? Es kann nur Gott sein, denn er allein vermag diese rundum Stärkung von Leib und Seele zu schenken. Das wussten unsere Ahnen, und so versuchten sie mit wachen Sinnen, die Schöpfung zu erfahren. In der Sommerfrische erlebten sie das wunderbare Zusammenspiel des Lebens, wo die kleinste Blume und der größte Baum, das schwächste und das stärkste Tier seinen Platz besitzt. Alles und jedes ist richtig und wichtig, nichts darf verlorengehen. Diese Erkenntnis kräftigt, denn wo der Einzelne unersetzbar ist und wo jeder an seinem Platz mit seinen Möglichkeiten gebraucht wird, da spürt man, dass es gut ist, da zu sein! Zudem zeigt dieses Geflecht des Für- und Miteinanders, dass letztlich niemand einsam und verloren ist. Selbst dort, wo man alleine unterwegs ist, verrät die Schönheit der Schöpfung, dass Gott mit einem geht und immer wieder Wege findet, uns neuen Mut und neue Hoffnung zu geben. Und Hoffnung auf Zukunft wiederum lässt die Freude am Leben frisch aufblühen.


Wir leben in schwierigen Zeiten, die uns müde und mürbe machen. Mir scheint, wir sind wirklich erholungsbedürftig; daher sollten wir etwas mehr Sommerfrische in unsere Ferienzeit bringen.


Klaus Hurtz




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